Tagfalter des Werra-Meißner-Kreises

Ergänzende Berichte ab 2018 zur letzten Veröffentlichung über Tagfalter dieser Region von Karlheinz Gottschalk: Die Tagfalterfauna des Werra-Meißner-Kreises, erschienen bei den Schriften des Werratalvereins Witzenhausen, Heft 38, 2003

 

Vorbemerkung

 Wie auch unsere heimischen Orchideen sind Schmetterlinge bedeutende Indikatore für Umweltveränderungen. Sie reagieren sehr sensibel auf äußere Einflüsse in  ihrem Lebensbereich. 

Anfangs noch neben der Orchideenliebhaberei kaum beachtet, stieg das Interesse an den Tagfaltern, als auf einem bedeutendem Kalk-Halbtrockenrasen eine sehr seltene Art verschwand. Der Goldene Scheckenfalter, Euphydrias aurinia, vor der Jahrtausendwende noch in starker Population nachgewiesen, starb einige Jahre später in diesem Biotop  aus. Bis heute konnte er nicht mehr beobachtet werden, obwohl die Fläche mehrfach von Experten untersucht wurde.

Was war geschehen? Der große Kalkmagerrasen war als bedeutendes Orchideen-Refugium als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

In den 80er Jahren war man vielfach noch der Meinung man müsste dann nichts weiter tun als ab und zu mal entbuschen, damit die Magerrasen nicht sukzessiv wieder zu Wald werden. Dann kam nach und nach die Erkenntnis auf das die optimale Nutzung nur die historische sein kann, also Beweidung mit Schafen oder gemischten Herden aus Schafen und Ziegen. Das wurde dann auch umgesetzt. Allerdings nicht in Huteform wie früher, sondern die Schafherde wurde im Zaun gehalten und das recht intensiv, weil auch die Nekromassen (abestorbene Altgrasauflagen) beseitigt werden sollten. Das war wohl zu viel des Guten.

Der Goldene Scheckenfalter nutzt auf den Kalkmagerrasen die Taubenskabiose (Scabiosa columbaria) als Eiablage- und Raupenfrasspflanze. Diese wird aber auch von den Weidetieren gern gefressen.   Es blieb für die Falter wohl zu wenig oder gar nichts übrig, oder die Gelege des Falters wurden mitgefressen? Der seltene Falter starb auf diesem Biotop aus.

Die Orchideenbestände entwickelten sich prächtig, aber für die Insektenfauna war und ist die zu gründliche Entnahme der Biomasse eine Katastrophe.

Es muss daraus die Erkenntnis wachsen das Beweidung oder Mahd nie radikal und auf ganzer Biotopfläche erfolgen sollte, auch nicht auf kleineren Biotopen! Entweder man hütet die Kalkmagerrasen behutsam ab, dabei bleibt genügend Bewuchs übrig, oder man spart bei unvermeidlicher Koppelhaltung einige Teilbereiche aus, damit auch die Insekten in den ganzjährigen Bracheflächen eine Überlebenschance haben. Im nächsten Jahr beweidet man die vorjährigen Brachen und lässt andere Teilflächen unberührt.

Dieses Muss ist noch längst nicht überall angekommen, viel zu oft findet man Radikalbeweidung und Vollflächenmahd, sogar saisonal zweimalig . Das muss sich ändern und darum steht das mir Wichtigste für Gras- und Offenlandfalter hier vorn.

 

Ich beabsichtige hier nicht über die Tagfalter des Werra-Meißner Kreises in aller Ausführlichkeit zu berichten. Zwar werden alle mit Bild  vorgestellt, damit auch der ungeübte Beobachter vergleichen kann, etwas ausführlichere Beschreibungen erfolgen aber nur wenn Ergänzungen zu Gottschalks Erläuterungen, insbesondere für den südöstlichen Kreisteil, zu vermerken sind.

Für ernsthaft Interessierte an der Falterfauna hält der Fachhandel hervorragende Bestimmungsbüchern bereit, an Hand derer man sich ausführlich über Artbeschreibungen, Flugzeiten, Entwicklungsstadien usw. informieren kann (siehe Literaturliste).

 

Räumlich geht es hier insbesondere um die nähere Umgebung meines Wohnortes, die von Gottschalk seinerzeit nur teilweise erfasst wurde. Der Bereich umgrenzt etwa die Zone von Wanfried über Eschwege, Wehretal, Waldkappel, Sontra, Herleshausen und entlang der Landesgrenze zu Thüringen über Weißenborn zurück nach Wanfried. Also grob die Räume Schlierbachswald, Graburg, Kielforst, Sontraer Hügelland, Ringgau, Wehre-, Sontra- und Ulfetal.

In dieser Region kommt eine Fülle unterschiedlicher Biotopstrukturen vor, die in den Texten zu einigen bemerkenswerten Spezies Erwähnung finden.

Die Vorstellung der einzelnen Arten richtet sich weitestgehend nach der von Gottschalk verwendeten Systematik, obwohl die Fachwelt zwischenzeitlich einige Änderungen vorgenommen hat. Ich gehe hier einfach davon aus, dass die an Schmetterlingen interessierten Naturliebhaber/innen Gottschalks Arbeit kennen.

Nomenklatorisch halte ich mich, soweit zwischenzeitlich Änderungen erfolgt sind, an das zuletzt erschienene mir bekannte Fachbuch: Josef Settele, Roland Steiner, Rolf Reihardt, Reinart Feldmann, Gabriel Hermann,   "Schmetterlinge, Die Tagfalter Deutschlands , Ulmer Naturführer, ISBN: 978-3-8001-8332-6  

 

 

 

Ritterfalter (Papilionidae); Weißlinge (Piridae); Edelfalter (Nymphalidae)

 

 

Papilio machaon, Schwalbenschwanz

Edle Ritter in der Sch.....
Edle Ritter in der Sch.....
Erwachsene Raupe kurz vor der Verpuppung
Erwachsene Raupe kurz vor der Verpuppung

Ausgedehnte, extensiv genutzte Grünländer auf den Hochlagen des Ringgau bieten gute Bedingungen für Papilio machaon.  Das Riggauhochplateau ist als ein bedeutender Hotspot für diesen großen Falter zu bezeichnen. Zu den Flugzeiten ist der Falter bei zusagender Wetterlage  hier regelmäßig, in guten Jahren auch zahlreich zu sehen. Über Rotkleewiesen oder extensiv genutzten blütenreichem Grünland wimmelt es manchmal regelrecht. Aber auch im gesamten übrigen Bereich kann man ihm von Anfang Mai bis zum Spätsommer begegnen. 

Das die Falter auch am Kuhdung Mineralien aufnehmen hatte ich vor der Aufnahme der linken Fotos noch nicht gesehen. 


 

 

Iphiclides podalirius, Segelfalter

 

Sehr selten taucht im Beobachtungsraum einmal ein durchziehender Falter auf. Eine Population gibt es nicht.

 

 

 

 

 

 


 

 

 

Weißlinge (Pieridae)

 

Pieris brassicae, Großer Kohlweißling

 

 

Weiblicher Falter
Weiblicher Falter
Paarung/Kopulation
Paarung/Kopulation

Einer der wenigen großen Falter die fast jeder kennt. Doch längst fliegt er nicht mehr überall und obwohl man noch viele Weißlinge in der Landschaft sehen kann, werden es kontinuierlich schleichend immer weniger.

Große Ansammlungen um Pfützen herum, früher überall zu sehen, gehören leider der Vergangenheit an. 

Siehe dazu die Bemerkungen zum Kleinen Kohlweißling.

Unterscheiden kann man beide Kohlweißlings-Arten  an der Größe der schwarzen Spitzenflecke der Vorderflügel, die beim Großen deutlich größer, bis zur fünften Ader hinunter, also etwa bis zur Mitte der Flügel, ausgeprägt sind. Dabei beim Weibchen massiver/breiter als beim Männchen.

Zur Eiablage und als Raupennahrung dienen Kreuzblütler, die Falter ziehen weit umher und besaugen Vieles was gerade blüht,  


 

 

Pieris rapae, Kleiner Kohlweisling

 

Frisch geschlüpft, Entfaltung der Flügel
Frisch geschlüpft, Entfaltung der Flügel

In Zeiten meiner Kindheit fand man an Pfützenrändern oft große Ansammlungen von Weißlingen. Hundert und mehr von ihnen nahmen Feuchtigkeit und Mineralien auf. In Gärten war oft jede Kohlpflanze von Raupen befallen und unter jeder überstehenden Fensterbank der Häuser hingen die Puppen. Kohlweißlinge waren als Schädlinge verschrien und mit Einführung der Insektizide begann der Krieg gegen sie. Aber nicht nur gezielt gegen Schädlinge wirken die Mittel, sondern sie vernichten  unzählige andere  Arten.

Die Pestizidvernebelung in Garten-, Forst- und Landwirtschaft vernichtet eben nicht nur gezielt bestimmte Schädlinge, sondern wirkt tödlich oder schädigend auf Vieles das auf Erden wächst, kreucht und fleucht.

 

Kleinere Weißlings-Ansammlungen kann man heute ab und zu noch in meist abgelegenen Gebieten finden. 


 

 

Pieris napi, Rapsweisling oder Grünader-Weißling

 

In erster Linie an der deutlich ausgeprägten dunklen Hinterflügelbeaderung der Unterseiten zu erkennen. Auf den Oberseiten der Vorderflügel trägt das Männchen einen, das Weibchen zwei kleine schwarze Flecken, die ebenso wie der Spitzenfleck meist eher grau als schwarz erscheinen. 


 

 

Leptidea sinapsis, Leguminosen-Weißling (Senfweißling),

Leptidea juvernica, Schmalflügel-Weißling

 

Beide Geschlechter, Unterseite
Beide Geschlechter, Unterseite
Eiablage
Eiablage

Erst in jüngster Zeit von der Fachwelt in zwei Arten aufgspalten, die durch das  äußere Erscheinungsbild  wohl kaum zu unterscheiden sind. Nur durch Spezialisten per Genitaluntersuchungen zu trennen.

In meinen Beobachtungsbereich kommen beide Arten vor (schriftliche Mitteilung Andreas C. Lange).  

Die Falter sind deutlich kleiner als die zuvor beschriebenen Weißlinge und  bevorzugen Schmetterlingsblütler wie  Platterbsen, Wicken oder Hornklee sowohl als Nahrungs- wie auch als Eiablage- und Raupenfutter-Pflanzen.

In zwei Generationen vielerorts von April bis August zu sehen.

 


 

 

Aporia crataegi, Baum-Weißling

 

Nach einer mir vorliegenden Liste zu einer Bestandsaufnahme  aus dem Jahr 1993 kam damals der Baumweißling an Werra-Abhängen des WMK wohl noch vor. 

Ich habe ihn bisher noch nicht gesichtet.

Die Aufnahme entstand in der Rhön.

Falls jemand ein Fluggebiet im WMK kennt, wäre ich für Hinweise sehr dankbar.  


 

 

Anthocharis cardamines, Aurorafalter

 

Paarung/Pärchen auf Orchidee Cephalanthera damasonium
Paarung/Pärchen auf Orchidee Cephalanthera damasonium
Weibchen, Oberseite
Weibchen, Oberseite

Seine Wirtspflanze ist die Koblauchsrauke (Alliaria petiolata), eine der ersten blühenden Pflanzen im Jahr. Sie kann überall wachsen wo es nicht zu trocken ist. Als "Unkraut" wird das essbare und stark würzige Kraut im menschlichen Umfeld und auf Nutzflächen heute allerdings nicht mehr geduldet.

Trotzdem findet der Aurorafalter noch genug Nischenvorkommen der Rauke um auch seine Art fortzupflanzen und er ist durchaus noch häufig im Frühjahr  bis zum Frühsommer zu beobachten.

Beide Geschlechter sind unterschiedlich gefärbt. Während die orangefarbigen Vorderflügel der Männchen weithin leuchten, können die oberseits überwiegend weißen Weibchen leicht mit anderen Weißlingsarten verwechselt werden.

 


 

 

Gonepterix rhamni, Zitronenfalter

 

Kopulation
Kopulation

Einer der wenigen Schmetterlinge der heute noch einen gewissen Bekanntheitsgrad besitzt. Er überwintert als voll ausgebildeter Falter und ist somit auch einer der ersten im Jahresverlauf. Die ersten wärmeren Tage wecken ihn aus seiner Winterstarre und durch seine Färbung fällt er besonders auf. 

Wer früh im Jahr in unserer Natur unterwegs ist, wird ihn sicher sehen.

In letzter Zeit bildet er auch bei uns oft eine zweite Generation aus. Früher tat er das nicht. Auch das ein deutliches Zeichen der Klimaerwärmung.



 

 

Unterfamilie Coliadinae 

 

Colias hyale, Weißklee-Gelbling (Goldene Acht)

 

Der alte deutsche Name "Goldene Acht" leitet sich von zwei dicht beieinander liegenden Ringflecken auf den Unterseiten der Hinterflügel ab, die man als  "8" interpretieren kann. Diese Zeichnung können aber auch die anderen Gelblinge der Gruppe mehr oder weniger deutlich tragen und wieder einmal ist die rein visuale Artbestimmung wohl nur wenigen Spezialisten vorbehalten. 

Alle Fotos dieser Gruppe müssen daher noch genauer überprüft werden, eine eindeutige Zuordnung nur anhand von Fotos ist allerdings wohl nicht möglich. 

Anhaltswerte können die bevorzugten Fluggebiete bieten, genauere Hinweise erbringen die Eier oder Raupen an den artspezifischen  Nahrungspflanzen.


 

 

 

 

Colias alfacariensis (australis), Hufeisenklee-Gelbling

 

Im Abflug erwischt, so sieht man auch mal die Flügeloberseiten
Im Abflug erwischt, so sieht man auch mal die Flügeloberseiten

Generell kann man C. hyale und C alfacariensis nur über die unterschiedlich gefärbten Raupen unterscheiden. Flugzeiten, Biotope und Raupennahrungspflanzen  können fast identisch sein und auch Fundorte bzw. Beobachtungsgebiete bieten nur Anhaltswerte.  Während C. hyale bei sonnigem Wetter im Offenland fast überall  vom Mai bis in den Oktober hinein gesehen werden kann, bevorzugt C. alfacariensis eindeutig die Kalkmagerrasen, weil dort  der Hufeisenklee als bevorzugte Raupennahrung wächst.   Nach Mitteilung von Herrn Andreas C. Lange liegen vom Hufeisenklee-Gelbling bisher allerdings keine gesicherten Nachweise aus der Region vor.

 


 

 

Colias crocea, Wander-Gelbling (Postillon)

 

Ein unbeständig auftretender Einwanderer aus südlichen Gefilden, 

Wirkt wegen seiner kräftig gefärbten Flügeloberseiten im Flug eher orange als gelb und ist meist erst im Hochsommer zu sehen.



 

 

 

Edelfalter (Nymphalidae)

 

Apatura iris, Großer Schillerfalter

Farbvariation, fehlende Fleckenzeichnung
Farbvariation, fehlende Fleckenzeichnung

In meinem Untersuchungsraum kommen alle Schillerfalterarten vor. Neben den Bereichen Schlierbachswald und Wanfried, die Gottschalk bereits erwähnte, findet man sie auch hauptsächlich auf halbschattigen bis sonnigen Waldwegen der Nebentäler von Ulfe, Sontra und Wehre. Dort nehmen Sie an feuchten Stellen Mineralien auf, oder  saugen auch besonders gern an Fuchskot und anderen tierischen Ausscheidungen.

Die Flugzeit beginnt je nach Winterdauer und-verlauf etwa Anfang/Mitte Juni.

Auch menschlicher Schweiß ist ein Leckerbissen für die Schillerfalter. Wenn also ein Schillerfalter um Sie herumflattert strecken sie die Hand aus und bleiben ruhig stehen. Mit etwas Glück landet er und lässt sich so aus unmittelbarer Nähe betrachten. 


 

 

Apatura ilia, Kleiner Schillerfalter

 

Den Kleinen Schillerfalter gibt es im südöstlichen Kreisgebiet in zwei Farbvarianten. Neben der Normalform kann im gleichen Lebensraum auch der sogenannte "Rotschiller" (f. clytie) fliegen (linke Bildreihe).

Im Ringgaugebiet und wohl auch im Schlierbachswald begegnet uns die Rotvariante  häufiger als die Nominatart

Alle Schillerfalter und auch die nächste Art dieser Vorstellung besuchen keine Blüten sondern ernähren sich von allerlei mineralhaltigen Feuchtigkeiten. Entlang halbsonniger Waldwege bieten sich in Trockenzeiten beste Beobachtungsmöglichkeiten wenn die Falter z. B. an den Exkrementen von Füchsen saugen.    

 

 

 

 

 

 

 

Die beiden untersten Bilder sind per Klick vergrößerbar. 

Das linke zeigt beide Variationen des Kleinen Schillerfalter und zwei Große Füchse.

Auf rechtem Foto sonnen sich Rotschiller, Großer Fuchs und C-Falter 


 

 

Limenitis populi, Großer Eisvogel (Eisfalter) 

 

Männchen
Männchen
Weibchen
Weibchen

Weibchen des Großen Eisvogel sind die größten der bei uns vorkommenden Tagfalter, noch etwas größer als Schwalbenschwanz und Schillerfalter.

Wie bereits Gottschalk vermerkte ist die Sichtung eines Großen Eisvogel im Kreisgebiet selten. In manchen Jahren sieht man in meinem Beobachtungsgebiet überhaupt keinen, in anderen Jahren maximal mal drei oder vier an verschiedenen Stellen. Weibchen lassen sich nur ganz selten blicken, da sie sich meist in den Wipfelregionen  der Wälder in der Nähe von Espen (Zitterpappeln) aufhalten die zur Eiablage- und Raupenernährung dienen.

Meist sind es daher männliche Falter die man vorwiegend an feuchten Waldwegen  saugend - wie bei den Schillerfaltern beschrieben - zu Gesicht bekommt. 

Die Zitterpappeln siedeln sich gern vor Wäldern, also an Waldrändern, an. Weil dort meist auch ein Weg entlang führt werden die höher und breiter wachsenden Pappeln bald störend und werden oft entfernt. Damit ist der Lebensraum der Raupen hin und kein Falter kann sich mehr entwickeln. Erschwerend kommt hinzu dass die Weibchen nur Bäume in ganz speziellen Lagen zur Eiablage auswählen. Der Große Eisvogel kann also nur dort in größeren Beständen fliegen wo viele Zitterpappeln aller Altersstufen in diversen Himmelsrichtungen wachsen.    

 


 

 

Limenitis camilla, Kleiner Eisvogel (Eisfalter)

 

Im Gegensatz zu seinem größeren Verwandten besucht der Kleine Eisvogel gern auch mal weiße Doldenblütler wie Giersch oder Bärenklau. Auch  Brombeer-, Liguster-, Distel,- und Dostblüten sucht er gelegentlich zur Nektarversorgung auf. Lieber sucht jedoch auch er die Waldwege nach den Hinterlassenschaften von Füchsen ab, oder saugt an den Kadavern überfahrener Kleintiere und ähnlichen stinkenden Sachen.

Selten ist er im gesamten Gebiet nicht.

In einem Seitental der Ulfe begegnet man ihm zur Flugzeit im Juni bis Juli sogar auf Schritt und Tritt. Auch im gesamten übrigen Gebiet kann man ihn finden, insbesondere dort wo ein sonniger Weg in einen Wald der Kalkgebiete hineinführt.


 

 

Nymphalis polychloros, Großer Fuchs

 

Kleiner Schillerfalter, Großer Fuchs und C-Falter
Kleiner Schillerfalter, Großer Fuchs und C-Falter
Unterseite
Unterseite
Stark abgeflogener Falter
Stark abgeflogener Falter

Wie man den Bildern entnehmen kann ist auch der Große Fuchs bei uns kein  großer Freund von Nektar sondern sucht seine Nahrung in Form von Feuchtigkeit und Mineralien meist am Wegesrand wie die vorgenannten Arten. Nur einige wenige Falter konnte ich nach ihrer Überwinterung im zeitigen Frühjahr mal an Weidenkätzchen oder in meinem Garten an Blaukissen saugen sehen. Er ist also ein Falter der als Imago überwintert und sich sehr früh im Jahr fortpflanzt. Dazu besetzen die Männchen an windgeschützten und wärmeren Stellen, z. B. an sonnigen Waldrändern oder Felsen, ein Revier und lauern bereits  ab etwa 10 Grad Lufttemperatur auf weibliche Partner. Andere Männchen werden in rasanten Flügen aus dem gewählten Revier vertrieben. Selbst solche völlig abgeflogenen  Exemplare wie auf unterstem Foto abgelichtet sind noch zu vehementen Kampf- oder Paarungsflügen fähig. Die folgende Generation kann man dann mit den Schillerfaltern fliegen und ab und an auch gemeinsam auf geschotterten Wegen saugen  sehen. Blutet irgendwo ein Baum, treten also Baumsäfte aus, kann man manchmal mehrere Falter an den Säften saugend antreffen. Heiße Hochsommerperioden  verbringt der Große Fuchs meist versteckt in einem Sommerruhequartier. Im Herbst kommt er bei zusagendem Wetter kurz hervor um sich für die  lange Winterruhe in geschützten Verstecken beispielsweise an faulendem Obst oder an Baumsäften zu stärken. 

Häufig ist der Große Fuchs in meinem Beobachtungsgebiet zwar nicht, aber wenn man weiß wie und wo er lebt kann man immer mehrere Exemplare beobachten.

 

 

  


 

 

Nymphalis antiopa, Trauermantel

 

Der Trauermantel dürfte der seltenste Großfalter im gesamten Werra-Meißner-Kreis sein.

Ich hatte rund drei Jahrzehnte keinen mehr gesichtet, bis sich dieses frisch geschlüpfte Prachtexemplar auf einem Weg nahe Waldkappel kurz präsentierte.

Die Fotositzung währte nicht mal eine Minute. Der Falter suchte vergeblich nach Feuchtigkeit, flog gleich etwa 30 Meter weiter bergab, landete erneut, suchte wieder vergeblich einige Sekunden, flog weiter. Das Spiel wiederholte sich mehrmals, bis ich ihn aus den Augen verlor.

Es hatte ja 2018 von Ostern bis zum Beobachtungstag am 4. Juli und dann weiter bis zum Herbst so gut wie nicht geregnet, Feuchtigkeit war selbst an schattigsten Wegrändern nicht mehr vorhanden. Er wird wohl bis hinunter zur Wehre geflogen sein um seine Energiespeicher aufzuladen. Hoffentlich konnte er einen Geschlechtspartner finden um seine Art im Kreis zu erhalten.

Interesant ist auch das Beobachtungsdatum 4. Juli. Nach aller mir bekannten Literatur erscheint die neue Jahresgeneration frühestens Ende des Monats. Aber im Dürresommer 2018 war wohl Vieles anders als normal. 

Weitere Infos zur Biologie der Fuchs-Arten bei Vanessa atlanta, dem Admiral und  Nymphalis polychloros, dem Großen Fuchs 



An mehreren Stellen im nahen Thüringer Wald konnte ich das Verhalten überwinterter Falter studieren: Wie beim Großen Fuchs beschrieben suchen auch die Trauermäntel an den ersten wärmeren Frühlingstagen die wärmsten und windgeschütztesten Bereiche ihres Lebensraumes auf. Entlang von Wegen oder im Bereich von Steinbrüchen oder  am Fuß von Felswänden mit genügend offenem Raum für Suchflüge sind sie dort unterwegs. Zur Nahrungsaufnahme wurden immer wieder bestimmte Stellen an Stämmen junger Birken angeflogen. Hier trat aus Poren oder Rindenverletzungen Saft aus.   


 

 

 

 

Inachis io, Tagpfauenauge

 

Eiablage an Brennnessel
Eiablage an Brennnessel

Weil man diesem herrlichen Schmetterling noch öfters begegnet glauben viele Menschen an eine intakte Natur.

Es gibt aber Arten die fast überall zurechtkommen (Ubiquiste), zu denen gehört auch das Tagpfauenauge, andere sind hochgradig spezialisiert und vom Vorkommen einer einzigen Pflanzenart , oder ganz speziellen Bedingungen ihres Habitats abhängig, das sind dann meist die vom Aussterben akut bedrohten Arten, oder sie sind leider schon verschwunden.

Auch der Bestand des Pfauenauges beträgt heute nur noch einen Bruchteil früherer Vorkommen, aber selten ist er noch nicht.


 

 

Vanessa atlanta, Admiral

 

Blutende Zitterpappel lockt Falter an
Blutende Zitterpappel lockt Falter an

Aus südlichen Gefilden, die Alpen überquerend, wandert der Admiral alljährlich erneut bei uns ein. Er erzeugt bei uns an Brennnesseln eine neue Generation, die dann im Herbst die Rückreise antritt. 

Als starker und schneller Flieger deckt er seinen hohen Energiebedarf auf vielerlei Weise. Nektar diverser Blütenpflanzen, tierische Ausscheidungen, faulendes Obst, Baumsäfte, alles wird verwertet.

Auch im Biergarten lässt er sich blicken um einen Schluck am Glasrand zu nehmen (leider keine Kamera dabei gehabt).  

Auf dem unteren Foto erkennt man mehrere Admirale und einen Großen Fuchs, die sich bezüglich der Admirale für den Rückflug in den Süden an den Baumsäften einer Zitterpappel stärken.

Der Große Fuchs hingegen hält nachdem er sich nach dem Schlupf eine kurze Zeit Reserven aufgebaut hat meist eine Sommerruhe, manchmal mit kurzzeitigen Unterbrechungen zur weiteren Nahrungsaufnahme, um sich dann im Herbst noch einmal Reserven für die Winterstarre anzufuttern. Ganz ähnlich verhält sich auch der nahe Verwandte Trauermantel, eventuell auch ein Grund dafür, weshalb man den so selten sieht.


 

 

Vanessa cardui, Distelfalter

 

Wie sein Bruder Admiral kommt auch der Distelfalter jedes Jahr neu zu uns. 

Wenn er auch mit Vorliebe an Distelblüten saugt, ist sein Nahrungsspektrum ähnlich breit entwickelt.

Von beiden Arten versucht ein Teil der bei uns geschlüpften Neupopulation auch bei uns zu überwintern. In den milden Wintern der letzten Jahrzehnte ist das eventuell auch schon mehrfach gelungen, denn man kann manchmal schon im März Sichtungen notieren.


 

 

Aglais urticae, Kleiner Fuchs

 

Obwohl überall anzutreffen ist auch sein Bestand in den letzten Jahrzehnten enorm geschrumpft. Auch dieser Ubiquist hat unter vielen negativen Veränderungen seiner Lebensräume gelitten. Brennnessel und Distelfluren müssen aus Ordnungsliebe weichen und mit seinen Eiablage- und Nahrungspflanzen verringern sich auch auch die Bestände des bunten Fliegers.

Zur Überwinterung nutzt er auch gerne Dachböden, wo er dann im zeitigen Frühjahr oft an geschlossenen Fenstern verendet. Pestizide der modernen Landwirtschaft wirken auch bei ihm verheerend.  


 

 

Polygonia c-album, C-Falter

 

Die Raupen des C-Falters können sich an einigen verschiedenen Pflanzen entwickeln, somit ist auch er ein Ubiquist. Zwar bevorzugt er Waldränder, ist aber ebenso an lichten Stellen im Waldesinneren wie auch in der offenen Landschaft anzutreffen. Sein Vorkommen kann man als "verbreitet", aber keinesfalls als "häufig" bezeichnen, wenn man als Maßstab die Vorkommen vor 40 Jahren heranzieht. 

Der Fuchsfamilie angehörend ist er auch ein Imago-Überwinterer der neben vielen Nektarquellen auch sehr gern Baumsäfte aufnimmt.

Im Supersommer 2018 schaffte er es eine dritte Jahresgeneration auszubilden.


 

 

Araschnia levana, Landkärtchenfalter 

 

Falter der 1. Generation
Falter der 1. Generation
Landkärtchen und Ulmen-Zipfelfalter
Landkärtchen und Ulmen-Zipfelfalter
Falter der 2. Generation
Falter der 2. Generation
Gemeinsame Mineralienaufnahme mit Großem Fuchs und Bläulingen
Gemeinsame Mineralienaufnahme mit Großem Fuchs und Bläulingen

Auch das Landkärtchen kommt in unserer abwechselungs- und waldreichen Gegend noch ganz gut über die Runden, auch dieser kleine Falter ist recht anspruchslos und nutzt vielseitige Nahrungsquellen. Auch er entwickelt sich an Brennnesseln.

Seine Besonderheit sind zwei sehr unterschiedlich gefärbte Jahresgenerationen, im Frühjahr hell, im Sommer dunkel.

Das rechte untere Bild zeigt einen Größenvergleich, als sich ein Landkärtchenfalter, ein Großer Fuchs und zwei Bläulinge gemeinsam labten.

Bild unten links zeigt ein Landkärtchen und einen Ulmen-Zipfelfalter, über den wird weiter hinten berichtet. 


 

 

Euphydryas aurinia, Goldener Scheckenfalter 

 

Das ist der Goldene Scheckenfalter, der wie eingangs berichtet auf einem seiner beiden Habitate im Werra-Meißner-Kreis ausgestorben ist. Die verbliebene Fläche westlich des Hohen Meißner wird fachmännisch betreut und man versucht dort durch gezielte und extensive Beweidung seinen Lebensraum im Optimalzustand zu erhalten.

Vor vielen Jahren kam der Falter auch an zwei Stellen meines Untersuchungsgebietes in Kleinpopulationen vor. Wenn das Wetter und das Drumherum passt, werde ich dort in der kommenden Saison intensiv nach ihm suchen. Je kleiner jedoch Habitat und Population, desto größer die Gefahr des Verlusts.


 

 

Argynnis paphia, Kaisermantel

 

Dieser Großschmetterling ist nun wirklich einer den man als häufig und verbreitet in meinem Gebiet bezeichnen kann. Er überwintert als winzige Raupe nachdem die Eiablage im Spätsommer an Baumstämmen in unmittelbarer Nähe zu Veilchenarten erfolgte. Also hält er sich mit Vorliebe an Waldrändern und Heckenstrukturen auf, eben dort, wo keine Spritzmittel der Landwirtschaft hingelangen. Als Nahrungsquelle dienen ihm neben einer ganzen Reihe von Blütenpflanzen auch Bodenmineralien.

Wie man auf den Bildern sieht liebt er eine sogenannte "invasive Art", den Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum). Weil für Menschen giftig und nicht her gehörend wird er zu recht bekämpft und man versucht ihn wieder auszurotten. 

Aber nicht nur den Kaisermänteln, auch einer ganzen Reihe anderer Schmetterlinge und Insekten schmeckt der Nektar wohl vorzüglich. Kleiner Eisvogel, Landkärtchen, Tagpfauenaugen und Großes Ochsenauge findet wer auf den Bildern nach ihnen sucht.

 


Dunkle Variante Argynnis paphia f. valesina
Dunkle Variante Argynnis paphia f. valesina
Paarung
Paarung

Kaisermäntel in Gesellschaft mit Großem Fuchs, C-Falter und Tagpfauenauge