Lycaenidae, Bläulinge 

(Viele "Bläulinge" sind überhaupt nicht blau! Auch farbenfrohe Zipfel- und Feuerfalter sind in der Gruppe eingeordnet)

 

Callophrys rubi, Grüner Zipfelfalter (Brombeerzipfelfalter)

 

Hauptsächlich auf den Magerrasen des Gebietes, insbesondere auch in halboffenen Gebüschstrukturen und auf dem ehemaligen Standortübungsplatz Sontra ist der Grüne Zipfelfalter  gut vertreten.

Er nutzt eine Vielzahl von Eiablage- und Nektarpflanzen  und diese lassen ihn auf Magerhabitaten verbreitet vorkommen.

Hauptflugzeit ist im Monat Mai. Nach milden Wintern kann man erste Falter in unserer Region auch schon Mitte April beobachten


 

 

Thecla betulae, Nierenfleck-Zipfelfalter

 

Thecla betulae legt seine Eier an Prunus-Arten ab, also hauptsächlich bei uns an Schlehen und Zwetschgen/Pflaumen.

Da es Schlehenhecken reichlich im Beobachtungsgebiet gibt, ist der Nierenfleck zur Flugzeit im Hochsommer und Frühherbst regelmäßig an mehreren Stellen und verschiedenen Habitaten zu sehen.


 

 

Favonius quercus, Blauer Eichen-Zipfelfalter

 

Erst nach Drucklegung Gottschalks Veröffentlichung konnte sein Mitarbeiter Michael Barth vier Exemplare auf einem Waldweg bei Wanfried feststellen.

Ich habe im Supersommer 2018 an 18 verschiedenen Eichenwaldrändern meines Beobachtungsbereichs nach dem Blauen Eichen-Zipfelfalter gesucht.

Hier ist er einer der häufigsten Bläulinge! An 16 Stellen wurde ich fündig und an 12 verschiedenen Waldrändern gelangen auch viele Belegaufnahmen. Dabei gilt folgendes festzuhalten: Vormittags kommen die Falter aus den Wäldern gern auf Waldwege oder angrenzende Wiesen um Feuchtigkeit (Tau)  und Mineralien aufzunehmen. Tagsüber, während der Haupthitzezeit, sitzen sie gern in Bodennähe in der schattigen Waldrandvegetation oder im Schlagschatten der Eichenbäume im Gras angrenzender Wiesen. Abends, etwa ab 18 bis 20 UHR ist es einfach die Falter zu finden. Sie versammeln sich in auserwählten Eichenbäumen in oft großer Zahl um sich fortzupflanzen. Hier konnte man 2018 dann manchmal von regelrechtem Gewimmel sprechen.

Die Versammlungseichen  waren meist lückiger/schütterer bewachsen als Nachbarbäume und mit gutem Fruchtbehang versehen und sicher wieder mit vielen Blütenknospen bestückt, an diesen werden die Eier abgelegt.

Da unsere Eichenwälder überwiegend Anpflanzungen jüngeren Datums sind, also meist Mittelwälder, scheint es sich um Hybrideichen (Tendenz zur Traubeneiche) zu handeln. Sie lassen sich m. E.  eindeutig weder der Stiel- noch der Traubeneiche zuordnen.


 

 

Satyrium ilicis, Brauner Eichen-Zipfelfalter

 

Aufgrund der guten Vorkommen des Blauen Eichen-Zipfelfalters darf man eventuell auch den Braunen erwarten.

Noch fehlen Belege, halte aber diesen Platz schon mal frei. Allerdings kommt dieser Falter nur an jungen  Eichen vor.  Zur Blütezeit der Lohgerberei war er nicht selten, vielleicht hat sich eine Population bis heute erhalten können? 


 

 

Satyrium w-album, Ulmen-Zipfelfalter

 

Der durch das Ulmensterben überall höchst gefährdete Falter findet im Ringgaugebiet noch einige Lokalitäten um sich zu reproduzieren.

Neben Einzelfunden am Südrand des Ringgau-Hochplateaus kann man auch auf der Graburg ab Anfang Juli recht sicher fündig werden, natürlich auch auf und am Meißner.

In einem abgeschiedenen Nebental der Ulfe konnte ich bereits Mitte Juni 2018 einen guten Bestand vorfinden. Mehr als 50 frische Falter saugten gemeinsam mit anderen Falterarten an Gierschdoldenblüten in einer feuchten Hochstaudenflur.

Dieser Talabschnitt wurde leider vor einigen Jahren mit Laubhölzern aufgeforstet. In wenigen Jahren werden diese Bäume die Hochstauden zum Absterben bringen und das Nahrungsangebot der Falter wäre Vergangenheit und würde die Population wohl sehr beeinträchtigen.

Das zuständige Forstamt wird informiert um einige Bereiche des Tals offen zu halten, damit sich die bevorzugten Nektarspender weiterhin ungestört entwickeln können.  


 

 

Satyrium spini, Kreuzdorn-Zipfelfalter

 

Eiablage an Kreuzdorn
Eiablage an Kreuzdorn

Wie sein Name verrät, legt dieser Zipfelfalter seine Eier nur an Kreuzdorn (Rhamnus cathartica) und seine Raupen befressen nur diese Gewächs, dabei mit Vorliebe die Blätter junger Triebe.

Kreuzdorn wächst nur an trocken-warmen Standorten. Diese gibt es an den Hängen der Kalkberge meiner Region zur Genüge. Folglich ist auch der Falter an etlichen Stellen anzutreffen, wenn auch nie in großer Zahl.

Als ich ihn in  einem sicheren Biotop suchte aber nicht vorfand, weil der verbuschte Kalkmagerrasen gerade zur Flugzeit scharf beweidet worden war und keinerlei Saugpflanzen mehr vorhanden waren, fand ich etliche Exemplare in einer blühenden Winterlinde (Tilia cordata) am Rande des Biotops Nektar aufnehmen. Die Nahrungsaufnahme der Falter betreffend ist dieser Zipfelfalter also recht flexibel. Bevorzugt werden aber Thymian und Dost.

 


 

 

Satyrium (Fixsenia) pruni, Pflaumen-Zipfelfalter

 

Bei den unzähligen Schlehengebüschen und -hecken meines Beobachtungsraumes ist es naheliegend dass dieser Zipfelfalter nicht selten sein kann.

Man suche zur Flugzeit ab Ende Mai entlang sonnenbeschienener Landschaftsstrukturen mit Schlehenbüschen und man wird  ihn bestimmt beobachten  können. 

Der Pflaumen-Zipfelfalter breitet zum Sonnenbad selten alle Flügel aus, vielmehr richtet er sich mit geschlossenen Flügeln bestmöglich zur Sonne aus und kippt dabei seine Breitseite. (Linkes unteres Foto)


 

 

Lycaena (Chrysophanus) phlaeas, Kleiner Feuerfalter 

 

Wer sich den Blick für die kleinen Schönheiten am Wegesrand erhalten hat, kann diesem bunten Flatterer von Mai bis in den Herbst hinein im Gebiet begegnen.

Besonders gern saugt er am Jakobs-Kreuzkraut (Senecio jakobae). Einer Pflanze, die in größeren Mengen gefressen für Weidetiere tödlich sein kann. Das Jakobs-Kreuzkraut wird deswegen auf Wiesen und Weiden bekämpft. Oft wächst das Kreuzkraut an Straßenrändern und oft wird man auch die Feuerfalter dort finden.

Der Kleine Feuerfalter saugt aber auch an einer ganzen Reihe anderer Blüten und ist nicht im Bestand gefährdet. Er zieht auch viel herum und seine Raupen befressen sowohl saure wie nichtsaure Ampferarten (Rumex spec.). Zwei Generationen schafft er mindestens im Jahr, in guten Sommern auch drei.


 

 

Lycaena tityrus, Brauner Feuerfalter (Bienenfeuerfalter)

 

Männchen
Männchen
Weibchen
Weibchen

Auch dieser kleine Feuerfalter aus der Familie der Bläulinge ist nicht selten im Gebiet. Seine Biologie ist der vorgenannten Art sehr ähnlich, er legt seine Eier aber lieber an saure Sauerampferarten (Rumex acetosa oder acetosella). Daher sollte man ihn eher in den Buntsandsteingebieten aufspüren. (Sauerampfer wächst lieber auf sauren Böden, Kalkböden sind oft zu basisch.)

Männchen und Weibchen sind auf den Flügeloberseiten sehr deutlich unterschiedlich gefärbt. Der Name leitet sich mehr vom Männchen ab. Das Weibchen ähnelt schon sehr den Kleinen Feuerfaltern, weshalb die Gefahr von Verwechselungen und Fehlbestimmungen relativ hoch ist.


 

 

Lycaena hippothoe, Lilagold-Feuerfalter (Ampferfeuerfalter)

lycaena virgaureae, Dukaten-Feuerfalter

 

aufgenommen 2004, heute noch?
aufgenommen 2004, heute noch?
Zugeflogen ?
Zugeflogen ?

Mangels aktueller Fotos vom Lilagold-Feuerfalter bilde ich hier auch übergangsweise den früher auf dem Meißner vorgekommenen, aber heute wahrscheinlich ausgestorbenen Dukaten-Feuerfalter (L. virgaureae) in beiden Geschlechtern ab.

 

Möglicherweise ist der Lilagold-Feuerfalter (mittleres Bild rechte Reihe) aufgrund regelmäßiger Großflächenmahden frischer bis feuchter Wiesen sehr selten geworden oder auch bereits ausgestorben.   

Das mittlere Bild der rechten Bildreihe ist ein digitalisiertes Dia vom Meißner-Lilagold-Feuerfalter-Männchen aus dem Jahr 2004.

Sobald noch aktuelles Material vorgelegt werden kann sollen die Fotos ergänzt werden.  

 

Die untersten beiden Fotos hatte ich bis jetzt übersehen weil die entsprechende Speicherkarte versehentlich noch nicht hochgeladen und ausgewertet war. Sie stammen vom Ringgau-Südrand vom 6. August 2015 und zeigen eindeutig ein Dukaten-Feuerfalter-Männchen.  Die kommenden Saisons sollen genutzt werden um zu überprüfen ob es sich um den Zufallsfund eines Zuwanderers handelt, oder ob tatsächlich ein  Vorkommen zu bestätigen ist. Sollte der Falter ein Einzelfund bleiben, müsste er sehr weit geflogen sein, denn die nächsten Vorkommen befinden sich m. W. im Thüringer Wald.

 


 

 

Phengaris (Maculinea) nausithous, Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling

 

Eiablage in Blütenknospe
Eiablage in Blütenknospe

Die Ameisenbläulinge sind hochangepasste Spezialisten. Eine einzige Pflanze, hier der Große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) dient als Eiablagehabitat, Frasspflanze für die Raupen und Nektarspender für die Falter. Und dann muss zusätzlich eine bestimmte Ameisenart (Myrmica rubra) vorkommen, die die Raupen des Falters in ihre Nester verbringt. Dort werden sie von den Ameisen wie deren eigene Brut versorgt, überwintern bei den Ameisen, verpuppen sich zur rechten Zeit und verlassen den Ameisenbau wenn der Wiesenknopf im nächsten Jahr wieder blüht.

Die hochgradige Gefährdung der Art wird deutlich: Fällt nur eine der essentiellen Komponenten aus, ist das Schicksal der Falter besiegelt.

Neben der länger bekannten Population in der Werraaue bei Herleshausen, die Gottschalk schon nannte, existiert auch auf der Ringgau-Hochfläche zwischen Renda und Altefeld ein sehr gutes Vorkommen. Der Große Wiesenknopf wächst hier auf den Wiesen, die bisher aber normal beweidet oder gemäht werden und dem Falter somit kaum dienen können. Einige Brachflächen und ein weitläufiges Grabensystem  sichern das Überleben der Population weil hier der Wiesenknopf und wohl auch die Ameisenbauten weitestgehend unberührt verbleiben. 


 

 

Phengaris (Maculinea) arion, Thymian-Ameisenbläuling (Schwarzgefleckter Bl.)

 

Paarung
Paarung
Eiablage
Eiablage

Nicht ganz so stark gefährdet wie die vorgenannte Art war bisher in meinem Beobachtungsraum der Thymian-Ameisenbläuling, nutzt er doch mehrere Blütenpflanzen zur Energiegewinnung und etliche potenzielle Flächen stehen zu seiner Weiterentwicklung zur Verfügung..

Zur Eiablage benötigt er bei uns  ausschließlich Feld-Thymian (Thymus pulegioides) und als Wirts-Ameise Myrmica sabuleti,  in deren Bauten die Raupe überwintert und sich auch verpuppt. 

Im Beobachtungsgebiet besiedelte der Thymian-Ameisenbläuling bis 2018 noch mindestens fünf Kalkmagerrasen. 

Leider wurden drei der Vorkommen im Dürresommer 2018 schwer geschädigt, eventuell sogar vernichtet.  Die Biotopbeweidung fand dort zum Beginn der Flugzeit Anfang Juli statt. Weil es seit Ostern nicht mehr nennenswert geregnet hatte und das Futter überall mehr als knapp war, kam es auch auf den Biotopen zu Radikalbeweidungen. Dabei blieb absolut nichts Verwertbares für die Falter zurück, kein Blütchen Thymian für die Raupen und auch keine  Blütenpflanzen für die Imago. 

Leider sind bisher auf den Biotopen noch keine Tabuflächen zum Insektenschutz eingerichtet. Nicht nur die Falter benötigen Brachezonen, auch Käfer, Heuschrecken, Wildbienen, und viele weitere Arten.

Hier muss meiner Meinung nach umgehend etwas geschehen, sonst trägt eventuell der amtliche Naturschutz  zur Artenvernichtung bei.

Da der Falter unabdingbar auf vegetationsarme und trockenwarme Flächen angewiesen ist fordern hochrangige Lepidopterologen kurzrasige, lückige  Biotope, die man nur durch scharfe Beweidung erreicht. Ich hoffe sie haben recht. 

Ergänzung 2019: Wie vermutet konnte in diesem Jahr nur auf einem einzigen  Biotop ein einzelner Falter gesichtet werden, somit steht die Art nun in meinem Beobachtungsgebiet eventuell akut vor dem Aussterben. Die nächsten Jahre werden Aufschluss geben.

Auch 2020 nur einen einzigen Falter auf dem gleichen Mgerrasen beobachtet. Diese Fläche wird in Hutehaltung gepflegt und intakte Teilbereiche verbleiben unberührt..


 

 

Aricia agestis, Kleiner Sonnenröschen-Bläuling

Aricia artaxerxes, Großer Sonnenröschen-Bläuling

 

Nur von Spezialisten unter Mikroskop  sind beide Arten des Sonnenröschen-Bläuling zu unterscheiden. Beide können auch in den Sommermonaten gleichzeitig auf dem gleichen Magerrasen-Biotop vorkommen. Der Kleine bringt zwei, der Große nur eine Generation pro Jahr hervor und auch die Raupen sind kaum zu unterscheiden. Auch der Größenunterschied  ist nicht so deutlich ausgeprägt wie man aufgrund der deutschen Benennung vermuten darf.

Ob es sich bei den bei uns zerstreut vorkommenden Faltern um die eine oder die andere Art handelt, oder um beide, bleibt also vorerst den Spezialisten vorbehalten.  Leider ist es bisher unumgänglich einzelne Falter zu töten, um die mikroskopisch notwendigen Genitaluntersuchungen durchzuführen. Nur so kann man leider die Arten zweifelsfrei bestimmen. Ich hoffe das man in Zukunft irgendwann auch mit kleinsten Partikeln der Tiere genetische Zuordnungen vornehmen kann, sodass sich Tötungen erübrigen. 


 

 

Cyaniris semiargus, Rotklee-Bläuling (Violetter Waldbläuling)

 

Der früher verwendete Name "Waldbläuling" wurde nicht grundlos geändert. Zwar  kann man den Falter auch  am Waldrand antreffen, aber viel eher auf extensiven Grünländern mit Rotklee (Trifolium pratense) oder anderen Kleearten. 

Seine Punktierung der Flügelunterseiten macht ihn unverwechselbar und er ist durch diese Zeichnung auch leicht zu bestimmen. Er ist noch nicht selten.

Eiablage in knospenden Rotklee
Eiablage in knospenden Rotklee

 

 

Polyommatus (Lysandra) coridon, Silbergrüner Bläuling

 

Eiablage an Hufeisenklee
Eiablage an Hufeisenklee

Da seine einzige und essentielle  Raupenfrasspflanze, der Hufeisenklee (Hippocrepis comosa), nur auf Kalkböden mit geringer Bewuchsdeckung vorkommt, muss man den Falter an öden Hängen und auf gut beweideten Kalk-Magerrasen suchen. Männchen und Weibchen sind deutlich unterschiedlich gefärbt, braun getönte Flügeloberseiten sind Erkennungsmerkmal für weibliche Falter. Der Name leitet sich daher auch bei dieser Art von den Männchen ab.

Im Gebiet zwischen Wanfried und Herleshausen und um Sontra herum hat diese Spezies einige gute Vorkommen, ist also keineswegs selten.  

Allerdings wurden zwei seiner Bestände im Dürresommer 2018 durch Radikalbeweidung arg geschädigt, wie beim Thymian-Ameisenbläuling bereits vermerkt. Ein drittes Vorkommen wurde im Vorjahr vollständig vernichtet als man den Hufeisenklee mitsamt Gelegen und Raupen mit schwerem Gerät von einem Waldrandweg abschob um einen Premiumwanderweg einzurichten.

2018 konnten hier keine Silbergrünen mehr vorgefunden werden. Da der Falter aber zum Ende seiner Flugzeit sein Stammrevier verlässt und weit umherzieht um sich auszubreiten, darf gehofft werden dass er sich wieder einbürgert. Natürlich nur dann, wenn sich auch der Hufeisenklee  wieder ansiedeln kann.

(Ich konnte einzelne Falter mehrere Kilometer entfernt von Stammvorkommen in völlig untypischen Biotopen sehen).

Die nächsten Jahre werden zeigen wie diese große Bläulings-Art mit solchen Kalamitäten fertig wird.

2019 sehr viel weniger Falter als im Vorjahr und auch 2020 sehr sehr kleine Populationen, einige Biotope leider falterlos.


 

 

 

 

Polyommatus bellargus, Himmelblauer Bläuling

 

Bisher von mir nur als "Grenzgänger" gefunden, also im sogenannten "Grünen Band" dem ehemaligen Todesstreifen der DDR im Bereich Kielforst, somit im Wartburgkreis.

Neuerdings soll dieser strahlend blau leuchtende Falter auch an einem Bergsturz bei Wanfried fliegen.

Zu meiner Überraschung flog mir das links unten abgebildete Männchen am 26. Mai 2020 auf einem Magerrasensteilhang bei Witzenhausen vor das Objektiv. Werde zur Flugzeit der zweiten Generation versuchen genauer nachzuschauen. 

Näheres dann eventuell später.


 

 

 

Polyommatus (Plebicula) dorylas, Wundklee-Bläuling       und

Polyommatus (Agrodiaetus) amandus, Vogelwicken- (Prächtiger) Bläuling

 

Erst ab der Jahrtausendwende konnten Gottschalk und Mitarbeiter den Prächtigen Bläuling auf einem Kalkhalbtrockenrasen im Meißnervorland nachweisen. Es wurde angenommen dass er aus Westthüringen einwandern konnte. Wenn dem so wäre müsste er eigentlich durch das Netratal gekommen sein, eine recht barrierefreie Pforte ins Nachbarland.

Somit gilt es zuerst an den Südhängen des Netratals nach ihm zu suchen. Er bevorzugt zwar die Wärme der Magerrasen, aber viel wichtiger ist das Vorkommen ansehnlicher Bestände seiner Wirtspflanze, der Vogel-Wicke (Vicia cracca).

Die Bilder stammen vorerst nicht aus dem Werra-Meißner-Kreis.

Männchen amandus
Männchen amandus
Weibchen amandus
Weibchen amandus
Unterseite, (durch anklicken vergrößern)
Unterseite, (durch anklicken vergrößern)

Gottschalk benennt vom Wundklee-Bläuling nur ein einziges Vorkommen im Werra-Meißner-Kreis aus dem Raum westlich des Meißners.

Im meinem Untersuchungsraum konnte ich ihn bisher nicht finden. Da er aber den Wundklee für seinen Lebenszyklus nutzt wie die nachfolgende Art, und diese häufig ist, sollte sich auch der Wundklee-Bläuling finden lassen.

Ich hoffe in der kommenden Saison über beide Falter aus meinem Raum berichten zu können.

Das Foto zeigt nicht die hier zu behandelnde Art sondern reserviert nur  den Platz für Wundklee und/oder Prächtigen Bläuling, der noch vor zwei Jahrzehnten auf einigen Ringgau-Magerrasen zu beobachten war. 


 

 

Cupido minimus, Zwerg-Bläuling

 

Größenvergleich C. minimus zu P. icarus
Größenvergleich C. minimus zu P. icarus

Der kleinste der Bläulingsfamilie ist verbreitet in den Magerrasengebieten anzutreffen. Er legt seine Eier in die Blüten des Wundklee (Anthyllis vulneraria) und die Raupe befrisst die Blüten und die unreifen Samen. Nach kurzer Zeit ist sie ausgewachsen, versteckt sich in der Streuschicht am Boden, überwintert dort, und verpuppt sich erst im Frühling um dann, wenn der Wundklee wieder blüht, auszufliegen.

Im nebenstehenden Bild mit der Bläulingsansammlung am Pferdemist kann man zwecks Größenvergleich in der Mitte im Vordergrund einen Zwerg-Bläuling zwischen anderen normalgroßen Bläulingen erkennen. (Bild per Klick vergrößerbar)


 

 

Cupido argiades, Kurzschwänziger Bläuling

 

weiblich
weiblich
Kopulation
Kopulation
weiblich
weiblich
männlich
männlich

Etwas größer als der Zwerg-Bläuling ist der Kurzschwänzige Bläuling.

Bei Gottschalk noch nicht nachgewiesen kommt der kleine Schmetterling in meinem Bereich auf mindestens sieben Biotopen in kleineren Populationen vor.

Nachdem der erste Falter auf einer einschürigen Mähwiese entlang eines kleinen Bachlaufs zufällig gefunden war. wurden ganz gezielt ähnliche Habitate im Ulfe- und Netratal und deren Nebentälern untersucht.

Neben Bachlauf, nassem Graben oder Feuchtstelle/Quellaustritt sollten Hochstaudenbrachen angrenzen, am Wasserlauf, oder in der Nähe vorhanden sein. Und vor alle Dingen Kleearten, insbesondere Hornklee (Lotus corniculatus), Sumpfhornklee (lotus pedunculatus), und/oder Rotklee (Trifolium pratense). Und siehe da, fast überall wurde ich fündig. 

In den nächsten Jahre  wäre zu prüfen, ob der Bläuling auch das übrige Kreisgebiet besiedelt.

Durch die Hinterflügelzipfelchen und die beiden orangefarbigen Flecken an den Rändern der Hinterflügelunterseiten sind die Falter unverwechselbar. Die Flügeloberseiten sind, wie etlichen anderen Bläulingsarten auch, unterschiedlich gefärbt. Männchen blau. Weibchen mehr bräunlich.

Ergänzung: In 2019 begegnete ich etlichen Faltern zwischen Mai bis September mehrfach, auch auf einigen typischen Kalkmagerrasen, sogar auch auf der Ringgauhöhe! Somit kommt der Kurzschwänzige Bläuling in meinem Beobachtungsgebiet verbreitet, und wohl auch in mindestens zwei Generationen vor.

 


 

 

Celastrina argiolus, Faulbaum-Bläuling

 

Sein Name ist wohl irreführend. Zwar befressen seine Raupen auch den Faulbaum, sind aber im Grunde polyphag, können also etliche andere Pflanzen nutzen. Auch das Nahrungsspektrum der Imagines ist groß. Neben diversen Blüten saugen sie auch am Boden oder in der Asche von Brandstellen. Auch ist die Art nicht an einen bestimmten Biotoptyp gebunden, kann also zu den Flugzeiten ab Ende April bis zu Herbst vielerorts - meist jedoch in Waldnähe -  in  unserer vielgestaltigen Landschaft gesehen werden, zumal er in guten Jahren mehrere Generationen entwickeln kann.


 

 

Plebejus argus, Argus-Bläuling (Geißkleebläuling)

 

Der Argus-Bläuling ist einer der wenigen Silberfleckbläulinge. 

Wenn man genau hinschaut kann man an den Rändern der Hinterflügel-Unterseiten einige blau-metallisch glänzende Pünktchen erkennen.

Dort wo er vorkommt bildet er meist größere Bestände, die sich in den Abendstunden in höherwüchsigen Gräsern zu Schlafgesellschaften versammeln.

Auch dieser Bläuling saugt gern an offenen feuchten Bodenstellen.

Mehrere gute Vorkommen auf extensiv genutzten Grasländereien sind im Gebiet bekannt. 


 

 

Plebejus idas und P.argyrognomon, Ginster- und Kronwicken-Bläuling

 

Über beide Arten gibt es keine Vorkommensbeweise  im Werra-Meißner-Kreis.  Falls sie doch erscheinen, oder eine andere Bläulingsart neu gefunden wird, halte ich diesen Platz mit einigen  Bildern schwierig einzuordnender anderer Bläulinge frei, denn wenn die Seite ausgefüllt ist, müsste ich später andere Fotos löschen, um aktuelle Funde unterzubringen.

(Auf jeder Seite kann ich maximal 200 Objekte platzieren) 

 

 


 

 

Polyommatus thersites, Esparsetten-Bläuling

 

Thersites, agestis, artaxerxes, oder icarus ohne Wurzelfleck?
Thersites, agestis, artaxerxes, oder icarus ohne Wurzelfleck?

Nur durch  das Fehlen eines kleinen schwarzen Flecks auf der Vorderflügelunterseite kann man diesen Bläuling von einigen seiner nahen Verwandten unterscheiden, es sei denn,  man ist so hoch spezialisiert, auch die Eier und Raupen finden und unterscheiden zu können.

Man kann ihn also leicht verwechseln oder auch übersehen, weil man ihn für den viel häufigeren Hauhechel-Bläuling hält. Auch der kann nämlich den ausgeprägten hellen Wisch der Hinterflügelunterseiten aufweisen und manchmal fehlt auch der schwarze Wurzelpunkt der Vorderflügel.  

Ob er im Gebiet also vorkommt ist solange unsicher bis eindeutige Belegstücke gefunden sind. 

Aufgrund des mittleren und des letzten linken Fotos (blaues Männchen ohne Wurzelpunkt und Weibchen mit ausgeprägtem weißen Wisch) vermute ich sein Vorhandensein.


 

 

Polyommatus icarus, Hauhechel- (Gemeiner) Bläuling

 

Sieht man beim Wandern im Offenland einen Bläuling fliegen, wird es meistens Polyommatus icarus sein. Er ist fast überall zu beobachten und das ganze Sommerhalbjahr von Mai bis Oktober unterwegs. 

Männliche Falter sind oberseits leuchtend blau, weibliche braun, wie bei den meisten Arten der Familie Bläuling.

Die Flügelunterseiten sind zum korrekten Ansprechen bei vielen Arten genau zu betrachten, da sie sich sehr ähneln. Doch selbst dann kann es noch zu Verwechselungen kommen, da kein Falter genauso aussieht wie ein anderer. Jeder ist ein Individuum wie bei sämtlichen anderen Arten auch. Ob Mensch, Katze ,Hund, kein Exemplar gleicht dem Artgenossen bis ins letzte Detail und Übergänge von Art zu Art sind oft fließend.

Vielfach geben auch und gerade bei den Bläulingen nur mikroskopische Genitaluntersuchungen Aufschluss über die Artzugehörigkeit. Mit Fotos allein  kann man sich daher irren.

Daher nochmals meine Bitte an die Fachleute: Bitte informieren Sie mich bei eventuellen Fehlinformationen.     

 


 

 

Polyommatus daphnis, Zahnflügel-Bläuling

 

Auch dieser Bläuling kam vor ca, 20 Jahren noch im Raum Witzenhausen vor. Ob auch er infolge der Wiederaufnahme der Nutzung seines Fluggebietes ausgestorben ist ?

Bisher waren alle Nachsuchen erfolglos. Die große Lehrtafel über diese Besonderheit wurde vor einigen Jahren wieder abgebaut