Hesperiidae, Dickkopffalter

 

 

Spialia sertorius, Roter Würfel-Dickkopffalter

 

Dunkle Dickkopffalter (Erynnis tages) an Orchis mascula (Manns-Knabenkraut)
Dunkle Dickkopffalter (Erynnis tages) an Orchis mascula (Manns-Knabenkraut)

 

 

 

Spialia sertorius auf seiner Wirtspflanze
Spialia sertorius auf seiner Wirtspflanze

 

 

 

 

 

Die kleinen Dickkopffalter sind wohl die am schwierigsten zu fotografierenden Tagfalter.  Geringe Größe, blitzartige Stellenwechsel, und perfekte Tarnfarben bringen den Fotografen zum Verzweifeln. Viel Geduld ist notwendig bis eine gute Aufnahme gelingt. 

Wie Naturfreunde  am ersten Bild sicher erkennen,  sind einige Würfel-Dickkopffalter bereits sehr früh im Jahr unterwegs, eben wenn die ersten Orchideen blühen, also je nach Winterverlauf manchmal schon ab Mitte April.

Die anderern Fotos zeigen  den Roten Würfel-Dickkopffalter. Zu finden ist er  wo der Kleine Wiesenknopf (Sanguisorba minor) wächst, also über mageren Grasländern wie lückigen Kalkhalbtrockenrasen, Geröllhängen, oder kargen Böschungen.

Solche Habitate sind in meinem Beobachtungsbereich nicht selten und somit kann man auch den Falter vielerorts beobachten. 

Die Eiablage erfolgt in die frischen Blüten der Wirtspflanzen und die Flugzeit dauert nur ein bis zwei Monate. Der Rote Würfel-Dickkopf ist also ein reiner Frühjahrsfalter, so wie auch die nächste Art.


 

Pyrgus malvae, Kleiner Würfel-Dickkopffalter

 

Lockendes Weibchen
Lockendes Weibchen

Sein Name ist allerdings nicht korrekt: "malvae", also Malven nutzt er gar nicht zur Fortpflanzung. Rosengewächse sind es an denen die Weibchen die Eier ablegen und die Raupen fressen. (Zu den Rosengewächsen zählen zum Beispiel (wilde) Erdbeeren, Brom- und Himbeeren, oder Fingerkräuter.)

Auch er liebt trockene, warme und lückige Magerrasen, also offene Habitate wie Steilhänge,  Böschungen und streureiche Brachen. Solche Strukturen befinden sich im Gebiet oft an den südexponierten Bergfüßen entlang von Wegen, oder auch auf typischen Kalkmagerrasen. 

Der Kleine Würfeldickkopf saugt an diversen Blüten und auch an feuchter Erde. Da er zur Fortpflanzung mehrere Pflanzenarten nutzen kann, ist er sicher häufiger als allgemein angenommen, er wird bestimmt  aufgrund seiner Tarnfarben und Kleinheit oft übersehen.

 


Pyrgus armoricanus, Mehrbrütiger Würfel-Dickkopffalter

 

Da dieser Neueinwanderer in unsere Schmetterlingsfauna erst 2018 von Herrn Dittmar im Nachbarkreis Hersfeld-Rotenburg erstmals in Nordosthessen nachgewiesen wurde darf man sein auch Vorkommen auch im Werra-Meißner-Kreis vermuten.

 


 

 

Erynnis tages, Dunkler Dickkopffalter

 

Kopulation
Kopulation
Frisch geschlüpfter Falter
Frisch geschlüpfter Falter
Etwas älterer Falter
Etwas älterer Falter
Unterseite, (durch anklicken vergrößern)
Unterseite, (durch anklicken vergrößern)

Magere Grasländer und Hänge mit Horn- oder Hufeisenklee (Lotus corniculatus oder Hippocrepis comosa) sind auch die Hauptlebensräume des Dunklen Dickkopffalters, weil an den Blättern dieser Pflanzen die Eier abgelegt werden.

Ab Mitte/Ende April fliegt die erste Generation, ab Juli die zweite. jeweils nur für einige Wochen. Zur Nahrungsaufnahme nutzt dieser Dickkopffalter neben den Kleearten auch Habichtskräuter (Hieracium) oder auch den auf mageren Standorten wachsenden früh blühenden  Löwenzahn Taraxacum laevigatum. 

Alle bei uns vorkommenden Dickkopffalterarten sitzen und saugen auch gern am feuchten Boden.


 

 

Carcharodus alceae, Malven-Dickkopffalter

 

Das ist der echte Malven-Dickkopffalter.

Er trägt seinen deutschen Namen zurecht, da die Weibchen ihre Eier an Malvengewächse legen und die Raupen sich von Malven ernähren.

Bei Gottschalk wurde diese Art (noch) nicht erwähnt.

Im südöstlichen Kreisgebiet ist der Malven-Dickkopffalter gar nicht mal sehr selten. In magerer, lückiger Vegetation mit teilweise auch offenen Bodenstellen, also an Wegrändern, Böschungen und Magerrasen kommt er bei uns vor.

Sitzt er auf Blüten, fällt er auf, am Boden, insbesondere auf der Bodenstreu, ist er perfekt getarnt. Daher sucht er solche Stellen im lückigen Bewuchs gern auf um sich zu sonnen. 



 

 

Carterocephalus palaemon, Gelbwürfeliger Dickkopffalter

 

Wohl der auffälligste unserer Dickköpfe und ein Verschiedenbiotopbewohner. Er kann sowohl in Feuchtgebieten als auch auf Trockenbiotopen vorkommen. Meist begegnet man ihm allerdings bei uns an Waldrändern oder an Böschungen wo nicht gemäht wird. Auch er nimmt gern an Feuchtstellen Mineralien auf, saugt aber ebenso an diversen Blüten. Die Raupen  können sich an diversen Gräsern entwickeln. Sie bauen sich Röhren indem sie Grasblätter umspinnen und zusammenrollen. Diese Schutzhüllen dienen während der Wachstumsphase als Versteck und  werden auch  zur Überwinterung verwendet.

 


 

 

Thymelicus sylvestris, Braunkolbiger Braun-Dickkopffalter

 

Die deutschen Namen der Braun-Dickkopffalter weisen auf die Unterscheidungsmerkmale hin: Sind die Unterseiten der Fühlerkolbenspitzen braun, hat man den Braunkolbigen Braun-Dickkopffalter gefunden. Mit sehr guten Augen kann man dies eventuell im Gelände erkennen, gute Fotos schaffen eher Klarheit.

Die Falter saugen an diversen sonnig stehenden Blüten. Die Raupen futtern nach dem Schlupf im Spätsommer/Frühherbst gern Honiggras (Holcus lanatus)  und spinnen sich zur Überwinterung einen Kokon  . 


 

 

Thymelicus lineola, Schwarzkolbiger Braun-Dickkopffalter

 

Bei ihm sind die Fühlerspitzen schwarz. Auch ein Verschiedenbiotopbewohner der auf diversen wettergeschützten Habitaten vorkommen kann. Entscheident ist - neben einem breiten Spektrum an Nektarpflanzen für die Imago - das über den Winter genügend Altgras stehen bleibt, denn daran sind die Eier abgelegt. Die Raupen fressen gern Queckenblätter (Elymus spec.) und die Verpuppung erfolgt nachdem die Raupen im Frühsommer ausgewachsen sind an Grashalmen. Die Falter fliegen dann im Zeitraum Juni bis August.  


 

 

Thymelicus acteon, Mattscheckiger Braun-Dickkopffalter

 

Trockenwarme Grasländereien die selten oder gar nicht gemäht oder beweidet werden sind seine Lebensräume. Allerdings dürfen die Flächen auch nicht zuviel Biomasse hervorbringen, müssen also ungedüngt, lückig bewachsen  und mager sein. Oft werde die Eier an dürre Fieder-Zwenkenblätter abgelegt.

Die Jungraupe überwintert in einem Kokon.   


 

 

Hesperia comma, Komma-Dickkpoffalter

 

Magere, lückigrasige und trockenwarme Grasländer sind Lebensräume auch des Kommafalters. Auf etlichen unserer Kalkmagerrasen kommt er daher vor.

Der Name kommt von einem auffallenden dunklen Duftschuppenmal auf den Vorderflügeloberseiten der männlichen Falter. Weibchen tragen diese Zeichnung nicht. Sicheres Bestimmungsmerkmal sind die silbrigen Flecken der Flügelunterseiten.

Trotzdem besteht die Gefahr der Verwechselung mit der nachfolgenden Art wenn man nur die Flügeloberseiten betrachtet. 

 


 

 

Ochlodes sylvanus (venatus), Rostfarbiger Dickkopffalter

 

Auch der Rostfarbige Dickkopffalter ist ein Grasfalter der sich an einigen unterschiedlichen Grasarten entwickeln kann. Die Raupen bauen sich Schutzhüllen aus Grasblättern in denen sie auch überwintern. Die Verpuppung erfolgt dann in einem selbst gesponnenen Kokon. 

Ein deutlicher Duftschuppenstreifen  kennzeichnet auch das Männchen des Rostfarbigen Dickkopffalters, allerdings sind die Flecken der Flügelunterseiten unauffällig gelblich. 


 

 

Literatur

Zu Orchideen

 

Arbeitskreise Heimische Orchideen (2005): Die Orchideen Deutschlands. -

Uhlstädt-Kirchhasel.

 

 

Arbeitskreis Heimische Orchideen Niedersachsen e.V. (1994): Orchideen in Niedersachsen. -Glockdruck, Bad Hersfeld.

 

Arbeitskreis Heimische Orchideen Thüringen e.V. (1997): Orchideen in Thüringen. - Druck- und Verlagshaus Frisch, Eisenach.

 

H. Blatt, A. Grube und H. Schulz (1983):  Verbreitung und Gefährdung der Orchideen in Hessen. - Reichenberger Verlag Typo-Knauer, Frankfurt a. M.

 

H. Kretschmar, W. Eccarius, H. Dietrich (2007): Die Orchideengattungen Anacamptis. Orchis, Neotinea. EchinoMedia Verlag.  

 

 

Zu Schmetterlingen

 

Heiko Bellmann (2016): Der Kosmos Schmetterlingsführer. - Franckh-Kosmos Verlags-Gmbh.

 

Michael Chinery (1987): Pareys Buch der Insekten. - Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin.

 

D.J. Carter, B. Hargreaves (1987): Raupen und Schmetterlinge Europas und ihre Futterpflanzen. - Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin. 

 

Günter Ebert (1991): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs Band 1 und Band 2. - Eugen Ulmer Stuttgart

 

Karlheinz Gottschalk (2003): Die Tagfalterfauna des Werra-Meissner-Kreises. - Schriften des Werratalvereins Witzenhausen, Heft 38.

 

Josef Settele, Roland Steiner, Rolf Reinhardt, Reinart Feldmann, Gabriel Hermann (2015): Schmetterlinge Die Tagfalter Deutschlands. - Ulmer Naturführer 

 

 

Sonstige

 

Ernst Baier, Cord Peppler-Lisbach und Volker Sahlfrank (2005): Die Pflanzenwelt des Altkreises Witzenhausen mit Meißner und Kaufunger Wald. - Schriften des Werratalvereins Witzenhausen, Heft 39.

 

Heiko Bellmann (1995): Bienen, Wespen, Ameisen. - Kosmos Naturführer.

 

Heiko Bellmann (1993): Libellen beobachten, bestimmen. - Naturbuch Verlag, Augsburg.

 

Botanische Vereinigung für Naturschutz in Hessen e.V. (BVNH) (1991): Lebensraum Magerrasen. - Naturschutz-Zentrum Hessen e.V.

 

Wolfram Brauneis (2016): Allgemeiner Vogelführer durch den Werra-Meißner-Kreis. - Schriften des Werratalvereins Witzenhausen, Heft 42.

 

Eckhard Jedicke (1990): Amphibien Ökologie, Gefährdung, Schutz. - Otto Maier Ravensburg

 

Lothar und Sieglinde Nitsche, Marcus Schmidt (2005): Naturschutzgebiete in Hessen, Band 3, Werra-Meißner-Kreis und Kreis Hersfeld-Rotenburg. - Cognito Verlag